Montag, 15. Juni 2009

Gedanke des Tages (6)

"Quer durch die Presse zum anstehenden „Superwahljahr“ zieht sich etwa eine Berichterstattung an der sprichwörtlichen Oberfläche. Anstatt tatsächlich politische Analysen, so schwierig diese gerade aktuell auch sein mögen, zu versuchen, begnügen immer mehr Beobachter mit einer Art Stilkritik der Politik – man betrachtet die Inszenierung und mutmaßt über die Auswirkungen (hier beispielsweise auf Carta). Ja, das mag eben dabei herauskommen, wenn an den Journalistenschulen der Anteil an Theater-, Film- und Fernsehwissenschaftsabsolventen höher ist als jener der VWLer – führt aber zwangsläufig dazu, dass Politik tatsächlich nur noch als das betrieben wird, was kritische Journalisten dem Politischen ohnehin seit Jahren vorwerfen zu sein: ein Kasperletheater. Substanzielle Kritik, umfassende Recherche und Erläuterungen komplexer Sachverhalte? Fehlanzeige."
(Daniel Erk im Blog von Steffan Niggemeier)

Freitag, 29. Mai 2009

Don´t trust a woman

Heute stand ich vor dem Konzert von Antony and the Johnsons vor dem Stand mit den T-shirts:

Johannes: Hi, I want this t-shirt
Verkäuferin: Hi. Fine which size?
Johannes: L please
Nette Dame: Oh no. That is way to big for you. Take a M.
Verkäuferin [hält ein T-shirt in L hoch]: Oh yea, I think the lady is right.
Johannes: Ok, I´m not very good at this. Give me a M.
Nette Dame: Or are you buying a shirt for your father?
Johannes: No, it is for me, thanks for your help.


Das Ergebnis: Das T-shirt ist mir natürlich viel zu klein. Entweder ich nehme ungefähr 10kg ab, oder die 20 Pfund habe ich für ein Oberteil ausgegeben, das ich nur Nachts tragen kann

Freitag, 22. Mai 2009

Einfache Antwort auf komplexe Frage


Was bewirkt die europäische Union?

Das man in Edinburgh in ein italienisches Restaurant gehen kann um dort von einem polnischen Kelner auf deutsch bedient zu werden.

Samstag, 16. Mai 2009

Der Songcontest

Gedanken zum diesjährigen Eurovision Song Contest:
  • Mein schwuler Mitbewohner ist wirklich mit Herz und Seele dabei. Ich spiele heute Abend eher die Rolle der bitter old queen. Allerdings ist es auch das erste Mal, dass ich mir diese Veranstaltung anschaue.
  • Das Klavier des ersten Sängers spielt weiter, obwohl er nicht mehr daran sitzt, das hätte ich früher auch gebrauchen können.
  • Die Kostüme der israelischen Sängerinnen sehen irgend wie mittelalterlich aus. So ungefähr aus der Zeit als die Kreuzritter (das erste Mal) Jerusalem eroberten. Außerdem schlagen sie auf große leere Blechbüchsen ein. Warum?
  • Geln Close singt für Frankreich. Das Lied handelt offensichtlich davon, dass sie gerade auf entzug ist, von der Liebe ihres Lebens verlassen wurde, ihre Zigaretten leer sind und der letzte Selbstmordversuch misslungen ist. Alles sehr französisch.
  • Ich habe offensichtlich nicht viel verpasst in den letzten Jahren. Das meiste ist ziemlich langweilig aber versucht interessant auszusehen. Ich tue einfach so, als wäre es für die Wissenschaft.
  • Wenn ich Frauen mit großen Brüsten schreien hören will, schaue ich einen Horrorfilm.
  • Mein Mitbewohner hat wirklich keinen Geschmack.
  • Der griechische Auftritt ist allerdings trotzdem ziemlich camp.
  • Die Russen wollen wirklich nicht gewinnen dieses Jahr. Die Sängerin hat sogar nur ein Handtuch an.
  • Trotzdem ist es ziemlich beschäment, dass nicht einmal erwähnt wird, dass heute 20 schwule Demonstranten festgenommen worden sind. Und das am internationalen Tag gegen Homophobie...
  • Ich persönlich mag ja den dänischen Sänger lieber als die singenden Augenbrauen aus Norwegen...
  • Der deutsche Beitrag ist ziemlich geschmacklos. TROTZ Dita von Teese. Und warum holt sie die Peitsche erst am Ende raus?
  • Der englische Komentator hat recht: Bei den ersten zwei oder drei Malen ist der norwegische Song noch gut, aber danach möchte man dem Sänger eine rein hauen.
  • Ein Fan werde ich sicherlich nie werden.
  • Aber gut zu sehen, dass es in Malta endlich wieder genug zu essen gibt.

Sonntag, 10. Mai 2009

In meinem Leben hier passiert nicht viel. Was soll auch schon geschehen? Die Uni hier endet nächste Woche, danach habe ich noch zwei Monate vor mir, die ich mehr oder weniger produktiv verbringen kann. Im Moment bin ich der Ausweg aus der Spassgesellschaft.

Samstag, 25. April 2009

Samstag, 18. April 2009

Gedanke des Tages (5)

" „Integration und Migration“ – an keinem anderen Thema lässt sich der Wandel der Öffentlichkeit in den zurückliegenden Jahre besser illustrieren. Als ein Teil der politischen Klasse Anfang der Neunzigerjahre eine Kampagne gegen Asylsuchende entfachte, boten hunderte Journalisten den Scharfmachern aus den Parlamenten die Stirn. Sie informierten, kritisierten und kommentierten. Und sie warnten: Hier werden Freiheits- und Menschenrechte zur Disposition gestellt. Am Ende stand ein Aufbruch der Zivilgesellschaft – Proteste, Lichterketten und schließlich, unter der rotgrünen Regierung, ab 1998 eine Phase der Selbstkritik und der Besinnung.

Zehn Jahre später ist alles anders. Nun ethnisieren und polarisieren vor allem bürgerlich aufgeklärte Kreise, allen voran Journalisten – in der Qualitätspresse ebenso wie im Boulevard. Ein Berufsstand, der so große Stücke auf seine Aufgeklärtheit, Kritikfähigkeit und seine Wächterrolle hält, entpuppt sich mehr und mehr als eine Ansammlung enthemmter Kleinbürger. Ressentimentgeladen, unfähig und unwillig, den aktuellen Entwicklungsstand der Einwanderungsgesellschaft zu reflektieren.

[...]

Seit Ende 2008 liegt nun die komplette „Sinus-Studie über Migranten-Milieus in Deutschland“ vor. Sie wurde 2006 begonnen und veröffentlichte erste Ergebnisse im Herbst 2007. Die quantitativen und qualitativen Ergebnisse der repräsentativen Studie räumen gründlich mit der medialen Konstruktion auf: Migranten sind keine homogene Gruppe; sie definieren sich nicht vor allem über den ethnischen Hintergrund oder Religion.

[...]

Wahrgenommen oder gar diskutiert werden die Ergebnisse der Studie kaum. Die taz widmete ihnen seit 2007 einen einzigen Artikel. Im gleichen Zeitraum erschienen rund 300 Artikel zu Ehrenmord, Zwangsheirat und Rütli-Schule; Stichworte, die für das Scheitern der Integration stehen. Natürlich bemühen sich eine Reihe dieser Artikel um Differenzierung. Allein durch ihr Referenzsystem bleiben sie allerdings Teil der insgesamt problematischen bis reaktionären Integrationsdebatte. Ähnlich sieht es in den anderen Qualitätszeitungen der Republik aus.

Diese Berichterstattung und nicht die Erkenntnisse der Sinus-Studie prägen folglich das Alltagsbewusstsein. Demgegenüber beschreibt die Sinus-Studie die Individualisierung und Pluralisierung der Lebensformen unter Migranten: 98 Prozent wählen ihren Ehepartner selber; 83 Prozent der befragten Menschen mit Migrationshintergrund leben gern in Deutschland; 82 Prozent sprechen mit ihren engsten Freunden deutsch, und für 74 Prozent sind Bildung und Wissen wichtige Werte. Obwohl die Migranten den Deutschen also immer ähnlicher werden, beharrt die Publizistik darauf, Migranten weiterhin nach ihrer ethnischen Herkunft und nicht nach ihren tatsächlichen Wertvorstellungen und Lebensstilen zu definieren.

Nach einer Ende März veröffentlichten, repräsentativen Studie der Forschungsgruppe Sinus Sociovision halten 40 Prozent der detuschen Bürger Antidiskriminierungspolitik für „überflüssig“. So wird es zwar zu Recht als wichtig empfunden, Frauen den gleichen Lohn zu bezahlen wie Männern oder Ältere und Behinderte nicht zu benachteiligen. Weniger Verständnis haben viele Deutsche für die Gleichbehandlung von Migranten, Homosexuellen oder Andersgläubigen. Maßnahmen auf politischer und insbesondere auf gesetzlicher Ebene werden abgelehnt"

(Eberhard Seidl in der Taz)