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Samstag, 7. März 2009

Gedanke des Tages (3)



"Nachdem die Menschheit gerade die Fähigkeit erworben hat, jeden Stoff nach freiem Willen aus einzelnen Atomen zusammenzusetzen, die Geheimnisse des Lebens in ihrer verborgensten Mechanik zu entschlüsseln, die Größe des Universums bis zum definitiven Anfang zu durchmessen – in dieser höchsten Blüte der Kultur ist es unseren studierten Chefvolkswirten der Zentralbanken nicht aufgefallen, dass der weit überwiegende Teil des Geldvermögens sich längst von allen realen Werten entkoppelt hatte und zur reinen Zählgröße eines in betrügerischer Bereicherungsabsicht aufgeblähten Schneeballsystems geworden war. Da haben sich diese Leute jede Woche zusammengesetzt um subtile Anpassungen an Lombardsätzen für Refinanzierungszinsen vorzunehmen, und die gesamte Grundlage ihres Handelns war längst vor ihren Augen leergeplündert worden. Ein ganzer Berufsstand dümmer als Bauerntölpel, Schande der zivilisierten Menschheit."
(Ulrich Kühne im "Freitag")

Mittwoch, 25. Februar 2009

Gedanke des Tages (2)


»Selbstverständlich ist eine Gesellschaft unanständig, in der jemand mehr Wohnraum besitzen als bewohnen kann und Behausungen also leer stehen, damit beim Finanzamt Verluste angegeben werden können, in deren Schatten anderswo, im Warmen, Feuchten und Unsichtbaren, große Gewinne gedeihen. Selbstverständlich ist eine Gesellschaft schweinisch, die einerseits für ihre Spitzensportler Laufschuhe mit eingebauten Dämpfungscomputern bereitstellt, andererseits aber alten Frauen mit Glasknochen die Zuzahlung zum sicheren Rollstuhl verweigert und einen Pflegenotstand erträgt, für den sich tollwütige Affenhorden schämen müssten.«

(
Dietmar Dath, Maschinenwinter, Suhrkamp 2007, S. 13)

Samstag, 14. Februar 2009

Gedanke des Tages


Bevor ich nun endlich mal zu meinem Text über verschiedene Filme von Yoko Ono komme und meinen Bericht über die hießige Uni fortsetze, unterbreche ich mich hier einmal kurz.

"Das kapitalistische Marktsystem kollabiert beinahe, aber für die Linken ist das nicht automatisch ein Vorteil?

Nein. Das hat natürlich wesentlich damit zu tun, dass sich die Mitte-links-Parteien - Sozialdemokraten, Sozialliberale, Grüne - mit dem Marktsystem arrangiert haben, während die radikalere Linke in den meisten Fällen noch immer völlig jenseits der Realität steht. Mit einem Wort: Es ist ein sehr gefährlicher Moment. Aber es ist auch ein interessanter Moment, weil die Hegemonie des neoliberalen Modells fundamental infrage gestellt ist. Und es ist auch ein schizophrener Moment: Was die Möglichkeit betrifft, dass es wieder eine lebendigere Politik gibt, ist es ein hoffnungsfroher Moment. Was die ökonomischen Aussichten betrifft, ist es natürlich ein deprimierender Moment, und man kann nur wünschen, dass nicht zu viele Menschen ins Elend abstürzen." (Der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch im Gespräch mit der Taz)